Sportblogger-Beitrag 2013 – Die Abstimmung

Was kommt pünktlich wie die Maurer, fast so selbstironisch wie Steffen Simon und noch glamouröser als die Oscar-Verleihung daher…? Na? Richtig! Der Sportblogger-Award ist zurück!

Obwohl allgemein ein gewisser Rückgang an sportbloggerischer Aktivität zu beobachten ist und sich vor allem Diskussionen stark in Richtung Social Media verlagert haben, wurde auch 2013 jede Menge preisverdächtiger Content in den Schreibstuben der Republik produziert.

So viel, dass eine Vorauswahl von Nöten war. Letztlich konnte sich eine dreiköpfige Jury – bestehend aus Peter Ahrens (Spiegel Online), Jonathan Sachse und Phil von der Turnhalle – in stundenlangen Verhandlungen auf elf Nominierungen festlegen.

Die Abstimmung ist natürlich offen für jedermann und -frau, das Führen eines eigenen Blogs ist genauso wenig erforderlich wie eine Mitgliedschaft im Sportbloggernetzwerk.

Wir haben uns für die Beibehaltung des letztjährigen Modus entschieden: Man stimmt nicht für einen Siegerbeitrag allein ab, sondern muss gleich drei persönliche Favoriten wählen, durchaus in einer gewichteten Reihenfolge des ersten, zweiten und dritten Siegers. Das Abstimmungstool findet ihr am Ende des Artikels. Die Stimmabgabe ist eine Woche lang (bis zum 6. Februar 2014, 18:00 Uhr) möglich.

Die Kandidaten:


Beitrag 1: Bayerische Verhältnisse

Sowohl für die 50+1-Regel wie auch für das FFP-System gibt es gute Argumente. Bestimmte Auswüchse des modernen Profifußballs werden so verhindert oder eingeschränkt. Mit „Fair Play“ im Sinne des sportlichen Wettbewerbs bei gleichen Bedingungen haben die neuen Regularien aber nicht das Geringste zu tun.

Klaus Katzenbach seziert auf the next bryk thing die Zusammenhänge von finanziellen Möglichkeiten und der vielbeschworenen Leistung und erklärt, weshalb Bayern München seiner Meinung nach eine größere Gefahr für die Chancengleichheit im europäischen Fußball als etwa Paris SG darstellt.

Beitrag 2: CE09 – Dreistufenplan

Collinas Erben haben in der deutschsprachigen Podcast-Landschaft wie eine Bombe eingeschlagen und konnten sich bereits mehrfach in den Itunes-Charts platzieren. Und so ist diese Nominierung vielleicht auch ein Stück weit stellvertretend für das komplette Œuvre der Macher Alex Feuerherdt und Klaas Reese zu verstehen. Andererseits spricht die Folge „Dreistufenplan“ ein besonders wichtiges Thema an: Der Rassismus in Europas Fußballstadien ist noch längst nicht besiegt, wie das Beispiel eines nach übelsten Schmähungen gegen Kevin-Prince Boateng abgebrochenen Testspiels des AC Milan beweist.

Beitrag 3: Von der “armen Schiri-Sau” im Eishockey

Aus diesem unsäglichen Gemisch von Petzen, Trockenschwimmen am Grünen Tisch und irgendwie scheinharter Linie entsteht somit fernab großer Öffentlichkeit Furchtbares: Die Spieler werden unsicherer, ob das was der Schiri entscheidet, auch wirklich Bestand hat. Entsprechend wird gespielt.

„Ihr seid sch…, wie die DEG!“ war in den 90ern ein beliebter Schlachtruf in Deutschlands Einshockey-Hallen. Damals war die Düsseldorfer EG so etwas wie das Bayern München des Kufensports. Inzwischen werden an Rhein und Düssel allerdings wesentlich kleinere Brötchen gebacken. Neben clubinternen Problemen hat Christoph Ullrich vom Halbangst-Blog auch gravierende Mängel in der Liga-Administrative ausgemacht.

Beitrag 4: Unterwegs mit Herbert Fischer-Solms

Jens Peters vom Leverkusen-Blog Catenaccio.de und Jonathan Sachse besuchen im Rahmen ihres V-Log-Projektes Unterwegs mit… den Sportjournalisten Herbert Fischer-Solms. Es entwickelt sich ein interessantes Meta-Gespräch über Solms beruflichen Werdegang, über Sportberichterstattung an sich oder den Ethos von Journalisten.

Beitrag 5: Ein bisschen Liebe mit jedem Pass

Auf den Fußball gemünzt bedeutet dies, dass man seinen Mitspielern nicht nur einen Gefallen tut, wenn man ihnen einen Pass zuspielt, weil sie dann den Ball erhalten. Bedeutet nicht nur die Möglichkeit, das eigene Spiel voran und zum Erfolg zu bringen. Es bedeutet auch, dass man dem Mitspieler signalisiert, dass er zur Gruppe gehört, dass er akzeptiert ist und damit auch, dass man ihn mag.

Trainer Baade ist vielleicht der bekannteste Fußballblogger der Republik, unter anderen vom Fußballmagazin 11Freunde als „bestes Fanmedium“ ausgezeichnet. Den Sportblogger-Award konnte der bekennende Ruhri aber bislang kurioserweise noch nicht gewinnen. Eventuell ändert sich das ja jetzt mit diesem flammenden Plädoyer für Mannschaftssport und Kameradschaft.

Beitrag 6: Road to Steglitz

Was Mutter Natur da in den letzten Jahren an CO2 erspart geblieben ist, als wir mit der S-Bahn nach Lichtenberg oder Mahlsdorf gefahren sind, statt im Bus nach Düsseldorf oder im Flieger nach Donezk zu heizen – da könnte man direkt mal über eine Art Rückzahlung nachdenken.

Als Anhänger eines Berliner Fußballclubs zu einem Auswärtsspiel in Berlin den Umweg über die Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt nehmen? Kann man mal machen. Aber nur, wenn darüber so pointiert und unterhaltsam wie im TeBe-Fanmagazin Lila Kanal geschrieben wird.

Beitrag 7: The Special Story

Es kommt drauf an, welche Geschichte man erzählt. Das lernt man im postmodernen Seminar oder in der Marketing-Agentur oder bei Jürgen Klopp. Dass er es in genau dem Interview ausspricht, in dem er die Geschichte erzählt, die die Leute seiner Vermutung nach hören wollen, zeigt eine entwaffnende Offenheit.

Warum das Publikum schon vorher wissen könnte, dass Jürgen Klopp gleich über Emotionalität, „Echte Liebe“, Emotionalität, Herzblut und Emotionalität referieren wird. Warum das dennoch funktioniert, sogar in einem bemerkenswerten Interview mit dem Guardian – all das erklärt man uns bei Verbrochenes.net.

Beitrag 8: Der Viagogo Skandal

Der Vorsitzender eines kleinen unscheinbaren Fanclubs, gründet über Verwandte und Freunde weitere Fanclubs. Um den Fanclub in der jeweiligen Region und beim Verein zu etablieren, werden echte Mitglieder angeworben die wiederum über Verwandte und Freunde, die nicht mal wissen dass Fußball mit 22 Mann gespielt wird, neue Mitglieder angeworben werden. Mit diesen „echten Mitgliedern“ bekommt man Zugang zu einem größeren Kartenkontingent für Spiele des Vereins. Dieser Karten landen letztlich in einem Topf, nämlich beim ursprünglich kleinen 25 Mann starken Fanclub. Übersteigt die Anzahl den Eigenbedarf landen diese Karten bisher auf dem Schwarzmarkt. Durch Viagogo wird diesem Geschäftmodell nun ein legaler Bode bereitet.

Diesen Artikel hat Matthias Saathoff quasi als Begleittext zu einem Aufsehen erregenden Report des WDR-Magazins „Sport Inside“ auf Fankultur.com veröffentlicht. Wer Viagogo bislang nur als Marktplatz für einzelne überzählige Tickets gesehen hat, wird hier eines Besseren belehrt.

Beitrag 9: Miroslav Klose in der Nationalmannschaft – ein Scrollerlebnis

Die Teamkollegen von heute spielten zu Beginn seiner Karriere noch Kleinfeld, Jürgen Klopp gab gerade seinen Abschied vom Profifußball als Spieler und, um noch ein bisschen zu dramatisieren, es wurde noch mit D-Mark bezahlt!

Mit Statistik bekommt man mich (fast) immer. Ganz besonders gilt dieser Grundsatz, wenn Daten so informativ und intelligent aufbereitet werden wie von Endreas Müller: die sagenhaft laaaange Nationalmannschafts-Karriere von Martin Max Miroslav Klose als in Kontexte gesetztes „Scrollerlebnis“.

Beitrag 10: Türchen 3: Kevin Großkreutz

Es gibt auf dem Niveau, auf dem Großkreutz spielt, eine Menge Spieler, die mehr mit dem Ball anfangen können. Es sind sogar die meisten. Seine Schusstechnik ist unkonstant, seine Möglichkeiten in der Ballführung limitiert und seine Passtechnik ist simpel. Während diese drei augenscheinlichen Punkte zu seinem Anti-Fußballer-Image beitragen, hat Großkreutz in Teilaspekten der Ballbehandlung jedoch ein richtig feines Füßchen.

Schabrackentapirpate, Laufwunder, Pinocchio – über Kevin Großkreutz wurde schon einiges geschrieben. Die fußballerischen Stärken und Schwächen des 25-jährigen Allrounders sind aber vermutlich noch nie so ausführlich analysiert worden wie vom Taktikblog Spielverlagerung.de.

Beitrag 11: Beckmann liebt Streich

Sobald die Dinge nicht mehr laufen, wenn Christian Streich und der SC Freiburg also einmal ein Tal durchschreiten müssen, wie Streich es auch fortwährend im Sinne des Realismus ankündigt, wird alles, was ihn jetzt auszeichnet, gegen ihn verwendet werden. Er ist dann zu anders, zu komisch, fährt zu viel Fahrrad. Seht her, schreien sie dann: Klappt wohl doch nicht alles so, wie der Freak sich das gedacht hat.

Wie ist das wohl, wenn mensch durch die Beckmänner dieser Welt in die Enge geliebt wird? Wie fühlt es sich an, wenn ein Medienhype und das daraus resultierende Image in einem schleichenden Prozess die Beziehungen zu Freunden verändern? Sören Maunz hat sich auf seinem Blog Kabinentraktate lesenswerte Gedanken zu diesen und ähnlichen Fragen gemacht.


Die Abstimmung ist geschlossen. Vielen Dank an alle Teilnehmer!


Jens

Lebt seit dem Jahr 2000 in NRW und wenn er nicht gerade Sportblogger für Preisverleihungen nominiert, bloggt er selbst über Fußball oder macht Fotos von Stadien.
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8 thoughts on “Sportblogger-Beitrag 2013 – Die Abstimmung

  1. […] sei hier noch auf die Wahl zum Sportblogger-Award 2013 hingewiesen. In diesem Jahr hatte ich die große Ehre, Teil der dreiköpfigen Vorauswahljury (sonst […]

  2. […] Es ist wieder soweit. Der Sportbloggerbeitrag des Jahres wird gewählt. Da dort vor allem Fußballperlen zu finden sind, kann der Besuch nur empfehlenswert […]

  3. […] Der beliebte Publikums-Preis befindet sich momentan in seiner heißesten Phase – bis zum 6. Februar können Freunde des gepflegten Sportblog-Beitrags noch den besten des vergangenen Kalenderjahres wählen. Für dieses kleine Blog kann zu unserer Bestürzung leider nicht votiert werden, aber natürlich lohnt es sich umso mehr, die 11 tatsächlich nominierten Beiträge zu rezipieren. Deshalb: Hin da, lesen, hören, schauen. Und dann die drei Favoriten mit Punkten überschütten. […]

  4. jollinski sagt:

    Ich suche vergeblich nach ein paar erläuternden Worten zum Spannungsfeld „J. Sachse: Juror, Kandidat und Aufdecker von Sportbetrug“

    • Jens sagt:

      Zur Erläuterung: Es wurden im Sportbloggernetzwerk übers Jahr zwischen 20 und 30 Vorschläge gesammelt, aus denen erwähntes Trio dann die finalen elf Kandidaten aussortiert hat. Wie das im Detail abgelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass Jonathan nicht mit Waffengewalt auf die Nominierung des von ihm mitzuverantwortenden Interview-Projektes bestanden hat.

      Falls dennoch Zweifel bestehen, kannst Du ihn ja auch direkt kontaktieren (Webseite ist z.B. oben verlinkt).

  5. […] bis Donnerstag läuft die Wahl zum Sportblogger-Beitrag des Jahres 2013. Lesenswerte Texte stehen zur […]

  6. […] Sportblogger-Beitrag 2013 – Die Abstimmung | Sportblogger-Award Dieser Link kommt ein paar Tage zu spät, denn die Abstimmung ist leider schon vorbei. Trotzdem lohnt sich ein Besuch dieser Seite, denn die hier vorgestellten 11 Beiträge aus deutschsprachigen Sportblogs sind immer noch lesenswert. […]

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